Biene - in vollem Selbstbewußtsein

 
Dagmar Larsch-Ambolley hat eine taube Dalmatiner-Hündin aus dem Tierheim geholt. Im Auftrag von Biene, so heißt die Hunde-Dame, hat sie den nachfolgenden Bericht geschrieben.
Vielen Dank nach Hamburg!
 
Mein Name ist Biene, ich bin eine Dalmatiner-Dame, lebe mitten in Hamburg und bin taub. Es gibt Tage an denen ich mein Glück gar nicht richtig fassen kann, deshalb schreibe ich Tagebuch. Außerdem möchte ich mich immer daran erinnern, wie glücklich ich jetzt bin, in meinem neuen Zuhause und meiner Freundin Mücke.    

An meine Hundekindheit kann ich mich gar nicht mehr so richtig erinnern. Ich weiß nur, daß ich im Oktober 1997 als Dalmatiner auf diese Welt gekommen bin. Wo mein Hundeleben vor Juni 1998 stattgefunden hat, weiß ich nicht mehr, daran möchte ich mich auch nicht mehr denken. 
Ins Tierheim bin ich jedenfalls im Juni 1998 gekommen und dort habe ich zusammen mit anderen Leidensgenossen Tag für Tag auf einer Hundewiese gelebt. Erst gegen Abend durften wir in unser Nachtquartier. Hin und wieder sind Menschen gekommen und haben den einen oder anderen Hund abgeholt. Mich wollte bis November 1998 keiner haben, weil ich taub bin. Warum ist das so? Ich sehe doch gut aus. Nur weil ich nicht hören kann? Aber wer ist heute schon ohne Makel? 

Ich kann mich noch genau an den 5. November 1998 erinnern. Es hat furchtbar geregnet und gestürmt. Ein Wetter, eigentlich hätte man keinen Hund vor die Tür gejagt, doch meine Freunde und ich waren wieder auf der Hundewiese vom Tierheim. Ich war überall, trotz des starken Regens, mit Schlamm und Dreck beschmiert und roch obendrein noch ganz schrecklich, also ein richtiger Dreckspatz und Stinker. Meine Güte, war ich durchgefroren, hungrig  und völlig durch den Wind. Mein Fell war völlig naß und zottelig, mein Hautausschlag juckte ganz schrecklich.  
Gerade bin ich mit meinen Leidensgenossen ins Haus gekommen, als ich mein Frauchen das erste Mal sah. Es war sozusagen Liebe auf dem ersten Blick. Plötzlich war sie wieder weg. 

Sollte ich doch hier im Hundeheim bleiben?  

Das Fenster war zu hoch, ich konnte nicht sehen, wo sie hingegangen waren und hören kann ich ja nicht. Ich war hundisch aufgeregt. Plötzlich stand sie wieder am Fenster und schaute mich an. Sie sprach mit der Eigentümerin des Tierheimes. Immer wieder schaute sie mich an und dann ging plötzlich die Tür auf. Ich bekam ein Halsband um, wurde an der Leine festgemacht und durfte mitgehen. Raus in den Regen, zum Auto. Doch was war das? Da war ja noch ein Hund? Klitschnaß und hungrig bin ich ins Auto gesprungen. Der Hund, übrigens auch eine Hundedame, namens Mücke, hat mich erst einmal beschnuppert und genau inspiziert. Gott sei Dank gab es Leckerlies, denn ich hatte einen riesigen Hunger. Wie Mücke mich einordnen sollte, wußte sie nicht genau. Ehrlich gesagt, ich auch nicht. Auf jeden Fall haben wir die Leckerlies geteilt. Der Regen hörte einfach nicht auf und nach einer guten Stunde Autofahrt waren wir Zuhause. Als erstes wurde ich in die Wanne gesteckt und richtig abgeschrubbt. Ach, tat das warme Wasser gut auch das Hundeshampoo roch angenehm, weitaus besser als ich. Hinterher wurde ich noch so richtig warm gerubbelt, herrlich. Sauber und wohlriechend habe ich dann einen Rundgang durch die Wohnung gemacht, dabei habe ich die Küche entdeckt. Ich sagte zu mir: „Hier bleibe ich, ohne Essen werde ich die Küche nicht verlassen.“ Mücke schien auch Hunger zu haben und dann gab es Essen auf richtigen Hundetellern, das war lecker. Alles war so neu und aufregend, daß ich vor lauter Aufregung ein „Seechen“ auf den Flur gemacht habe. Mücke hat mich verpetzt und es folgte ein Donnerwetter. Ich muß schon sagen, mein Frauchen hat eine tolle Mimik. Alles war nur halb so schlimm, ich muß mich nur richtig verständlich machen, dann kommt so etwas bestimmt nicht wieder vor. Jetzt noch einen guten Platz zum schlafen und meine Hundewelt ist in Ordnung.  

Heute Morgen waren alle sehr aufgeregt. Der Hautausschlag sah schrecklich aus, die Ohren taten mir weh und mich quält der Durchfall. Wir fuhren zum Tierarzt. Mücke war natürlich auch mit. Übrigens ist sie ganz nett und wir können schon toll zusammen toben. 

Das ist meine Freundin Mücke (dahinter natürlich ich)
 

Der Doktor hat sich mein Fell, die Ohren und meine Zähne gründlich angesehen, den Bauch hat er auch abgehorcht. Ganz besorgt hat er mich angeschaut und mir eine Salbe in die Ohren getan. Sehr unangenehm. Schade, daß ich nicht hören kann, ich hätte zu gerne gewußt, was mit mir los ist. Mein Frauchen hatte einen sehr sorgenvollen Blick. Der Tierarzt beruhigt sie, es wird alles wieder in Ordnung kommen. Dann wurden mir noch die Krallen geschnitten und ich mußte auf die Waage. Für meine Größe bin ich viel zu dünn. Na ja, ich will mich nicht aufregen, denn sonst bekomme ich wieder dieses Blähen und dann  nennen mich alle Stinker. 

Ein paar Wochen später. 
  
Nun ist es passiert, das Halsband ist eingelaufen! Oder bin ich gewachsen. Früher ließ sich das Halsband immer ganz leicht über meinen Kopf streifen und jetzt ist es jedesmal ein Gewaltakt.  Vor ein paar Wochen hatte ich noch  genug Platz in meinem Fell, jede einzelne Rippe konnte man sehen und ich war ziemlich hager. Ein Federgewicht, sozusagen die Kate Mosh unter den Dalmatinern.  
Mein Doktor sagt jedenfalls, ich sehe prima aus, das Gewicht sei genau richtig für mich. Mein Fell sieht prima aus, die Zähne sind nicht mehr braun und meine Krallen haben die richtige Länge. Mein nervöser Bauch bereitet auch keine Probleme mehr und mein nervöses Zucken im Schlaf ist auch zurückgegangen,   selbst das Blähen ist weg. Wie Nina Ruge immer sagt:“Alles wird gut.“ Das kann ich nur bestätigen. 
 
 
 

 
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