Lecken, Kauen, Kratzen an den Pfoten   
ohne ersichtlichen Grund?  

Keine Flöhe, keine Allergie feststellbar und auch sonst alle Untersuchungen ohne Befund.  
Dann ist eine der verbleibenden Möglichkeiten eine psychische Störung des Hundes.  
An der Universität Saskatchewan in Canada wurde der nachfolgende Artikel veröffentlicht. Die Rede ist hier von Acral Licking Dermatitis, was auf deutsch etwa Hautentzündung durch Glieder-Lecken bedeutet und mit ALD abgekürzt wird.  
Ich habe diesen Artikel hier übersetzt, vielleicht hilft er im einen oder anderen Fall (wie immer ohne Gewähr).  

Das Original finden Sie unter:  
http://www.usask.ca/wcvm/herdmed/  
applied-ethology/behaviourproblems/lickderm.html

 

Joseph M. Stookey and Jon Watts 
Department of Herd Medicine and Theriognology 
Western College of Veterinary Medicine 

University of Saskatchewan. 
52 Campus Drive, Saskatoon, Saskatchewan
Canada S7N 5A9


Acral Lick Dermatitis (ALD)

Was ist ALD?

Acral lick dermatitis (ALD), auch Leck-Granuloma oder Hunde-Neurodermatitis genannt, ist ein stereotypes Verhalten, das in Selbstzerstümmelung enden kann. 
Stereotypes Verhalten bezieht sich auf ein Muster von Abläufen oder Gewohnheiten die ohne Varianaten wiederholt werden 
und scheinbar keinen klar erkennbaren Grund haben. Dinge wie Hin-und-Her-Laufen oder übermaßiges Sich-Reiben sind verbreitete Formen von Stereotypie bei Haustieren oder bei gefangenen Tieren. 
Bei ALD zeigt sich die Stereotypie durch Lecken, Kauen oder Kratzen, am häufigsten an den äußeren Gliedmaßen. Das permanenente Lecken führt zu haarlosen Stellen und zu Wunden, die einige Zentimeter groß sein können oder über das gesamte Gliedmaß gehen. Das fortgesetzte Lecken verhindert die Wundheilung und kann zu Schmerzen und in schlimmen Fällen zu Verkrüppelungen führen. 
 

Verursachende Faktoren:

ALD ist am verbreitetsten bei großen, aktiven Rassen, aber kleine Hunde können davon genauso betroffen werden. 
Bei den großen Rassen sind Dobermann, Schäferhund, Dänische Dogge, Golden Retriever und Labrador besonders anfällig. 
Es ist allgemein anerkannt, daß ALD eine Verhaltensstörung mit vielen möglichen Ursachen ist. Das Lecken und Kauen fungiert hier als Spannungslöser bei Hunden, die gelangweilt, sozial isoliert, für längere Zeit eingeschränkt oder andauernd körperlich bestraft werden. 
Das Lecken kann auch ausgelöst werden durch übertriebene Aufmerksamkeit oder Nervosität des Besitzers, der unbewußt nervöses Verhalten bei seinem Tier fördert. Auch der Zuzug von neuen Tieren oder Menschen im Haushalt kann ALD auslösen. 
Wenn Sie bei Ihren Hund permanentes Lecken beobachten, ist es sehr wichtig, daß andere mögliche Ursachen ausgeschlossen sind, wie Bakterien- oder Pilzinfektionen, Neoplasie, Verletzungen, Fremdkörper und Allergien, die ähnliche Symptome hervorrufen. Um diese anderen Ursachen auszuschließen, kann Ihr Tierarzt Bakterienkulturen anlegen, radiographische Untersuchungen, Gewebeuntersuchungen oder andere Labortests durchführen. 
 
 

Der Umgang mit ALD: Behandlung und Vorbeugung

Unglücklicherweise ist ALD schwierig zu behandeln. Es sind viele Methoden verfügbar, aber keine ist hundertprozentig effektiv. 
Behandlungen bestehen aus: einschränkender Kragen, Bandagen, örtlichen Cortisonsalben, chirurgische Eingriffe, Bestrahlungen und einer Vielzahl von Verhaltensbeinflussungen und verhaltensändernden Medikamenten (Antidepressiva, Angsthemmer, etc.). Jede dieser Behandlungen hat von Fall zu Fall unterschiedliche Erfolge oder Miserfolge. 
Jedoch: keine davon geht den Ursprung dieser Verhaltensstörung an. Die Behandlung mag kurzzeitigen Erfolg haben, aber wenn z.B. der Verband entfernt ist oder die Medikamente abgesetzt werden, beginnt diese ganze Selbstzerstümmelung wieder von vorn. 

Die Behandlung sollte zunächst damit Beginnen, das Verhalten des Hundes zu ändern und kann dann entsprechend dem Rat Ihres Tierarztes mit einer der o.g. Behandlungen ergänzt werden. Der Besitzer muß zunächst herausfinden, was eigentlich die Stimulanz ist, die beim Hund z.B. die Ängste auslöst und seine Umgebung / Lebensweise beobachten. 
Ist der Hund sozial isoliert mit wenig oder keinem menschlichen Kontakt? Ist der Hund für viele Stunden eingesperrt? Ist der Hund 8 oder mehr Stunden alleine zu Hause? Welche Art von Erziehung bekommt er? 
Aufgeführt sind hier ein paar Vorschläge, die den Ausbruch von ALD verhindern oder bei dessen Behandlung helfen können: 
 

  • Stellen Sie sicher, daß Ihr Hund genügend bewegt wird, nicht bloß im Garten, sondern auch ausgedehnte Spaziergänge an der Leine, wodurch Sie mit dem Hund interagieren.
  • Gehen Sie mit Ihrem Hund auf den Hundeplatz, oder nehmen Sie an Hundesport wie Agility teil. Dies fordert den Hund und bringt zusätzliche Bewegung und Zeit für die Interaktion mit anderen Hunden.
  • Wenn Ihr Hund tagsüber 7-8 Stunden alleine zu Hause ist, überprüfen Sie, ob Sie nicht mittags mal nach Hause kommen können, oder jemenden finden, der mit dem Hund ausgeht. Eine andere Möglichkeit ist die Anschaffung eines zweiten Hundes oder eine Katze.
  • Am wichtigsten, wählen Sie für sich eine Hunderasse, die zu Ihrem Lebensstil paßt. Wenn Sie etwas bequem sind und den Feierabend genießen wollen, sollten Sie sich keinen großen, aktiven Hund zulegen. Ziehen Sie eher einen Schoßhund oder eine Katze in Betracht.
All diese Vorschläge verbessern die Hund-Mensch-Beziehung genauso wie sie Stress und Ängste abbauen, die zu Verhaltensstörungen wie ALD führen können. 
Die Behandlung von anhaltender ALD erfordert Identifizierung und Eliminierung der verursachenden Erreger, Beeinflussung des Verhaltens und letztlich medizinische Behandlung, um die selbstzugefügten Wunden zu heilen. 
 
 

References

Davis, Lloyd E., Handbook of Small Animal Therapeutics. Churchill Livingstone Inc., 1985. 

Dodman, Nicholas E., Shuster, L.E., White, S.E., Court, M.E., Parker, D., Dixon, R. Use of narcotic antagonists to modify stereotypic self-licking, self-chewing, and scratching behavior in dogs. Journal of the American Veterinary Medical Association. 193:7 Oct 1/88 pp 815-819. 

Goldberger, Erica G., Rapoport, J.L. Canine Acral Lick Dermatitis: Response to the Antiobsessional Drug Clomipramine. Journal of the American Animal Hospital Association. Mar/Apr 1991. Pp 179-182. 

Rivers, Bill, Walter, P.A., McKeever, P.J. Treatment of Canine Acral Lick Dermatitis with Radiation Therapy: 17 cases. Journal of the American Animal Hospital Association. Nov/Dec 1993. Pp 541-544. 

White, Stephen, J. Naltrexone for treatment of acral lick dermatitis in dogs. Journal of the American Veterinary Medical Association. April 1990. Pp 1073-1076. 

 
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